Shutter Island - Film-Review

#1

Kein wahnsinnig guter Film...
... aber ein guter Film über den Wahnsinn.

Der Film hat sich mir durch seine beteiligten Personen geradezu aufgedrängt, obgleich ich von ihm zuvor nie etwas gehört hatte. Zwar haftet Herrn DiCaprio noch immer irgendwie das weinerliche Schönling-Image an, das wir aus Filmen wie Titanic kennen; er versucht aber, wie ich finde, erfolgreich mit Werken wie diesem und Inception aus dieser Schublade zu entkommen.


Der Streifen, vom großen Scorsese inszeniert, verzückt mit einem reichen Kontrastprogramm aus satten und hellen Farben, sowie herben Grau- und Braun-Tönen. Er fängt also die Tag- und Nachtseiten der menschlichen Psyche gut ein und schafft mit der sorgfältig komponierten Musik einen steten Spannungsbogen.

Aber: in meinen Augen ist das alles dennoch viel zu durchschaubar. Vielleicht nicht in jeder Einzelheit, aber allzu oft wird man heutzutage mit Filmen konfrontiert, die eine ach so überraschende Wendung haben - und bei diesem Streifen mußte es zwangsläufig auch so sein, nur hat sich die einzig mögliche Konsequenz der Geschichte geradezu peinlich offensichtlich aufgedrängt.

[ame]http://www.youtube.com/watch?v=fKLxTIjWl7c[/ame]​

Davon abgesehen brillieren die Schauspieler und halten das Geschehen in Schwung. Photographie, Kameraführung, sowie Mimik und Gestik sind so ausgezeichnet, daß man trotz der sicheren Erkenntnis, das Ende bereits zu kennen, gut unterhalten wird.
Geschickt mischen die Produzenten Stilmittel des Gangster-Kinos, des Film Noir und des Grusel-Genres zu einem Schauspiel ohne Längen und mit einem netten Klimax, der in einem seufzenden Ende mündet.


Man darf Scorsese durchaus gratulieren, zwar kein Meisterwerk abgeliefert zu haben, so doch aber einen sehr guten Film, der letztlich aber sowohl an anderen Filmen seiner Zunft (wie bspw. Einer flog übers Kuckucksnest) scheitert, als auch an der zu leicht gemachten Vorhersagbarkeit. Er scheitert aber eben nur als Meisterwerk, nicht als (sehr) guter Film.

Daher: absolut sehenswert!

 
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#4
Hab ich doch wieder den Kommerz animiert. :D

Der Film is echt klasse. Man weiß zwar recht schnell, worauf es hinausläuft, aber die Bildgewalt und ganz allgemein die Inszenierung sind einfach geil.
 

Wolfen

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#5
Absolutes Meisterwerk (wie beinahe alles von Scorseses Filmen). Allerdings ist der Film alles andere als vorhersehbar. Diese Vorhersehbarkeit ist nur oberflächlich. Ich hab den Film mal für eine Examensprüfung analysiert, da steckt viel viel mehr drin. Das Dinge die sich auch nur bei zweiten, dritten Mal erschließen. Im Gegenteil, das worauf du eingehst "aber allzu oft wird man heutzutage mit Filmen konfrontiert, die eine ach so überraschende Wendung habe" ist nämlich durchaus ein Thema des Films.
Scorsese greift das ganz bewusst auf, spielt damit, lockt den Zuschauer in die Falle.
 
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#6
Erstaunlich wie ein User-Review inspirieren kann den Film nochmal zu schauen obwohl man ihn im Kino bereits gesehen sowie den Film hier als BluRay liegen hat.

Gut geschrieben. :)

Wobei man beim ersten Anschauen des Film doch schon gelinkt wird.

Ein paar kleine Schönheitsfehler hat der Film, aber das stört nicht weiter.
 
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#7
Absolutes Meisterwerk (wie beinahe alles von Scorseses Filmen). Allerdings ist der Film alles andere als vorhersehbar. Diese Vorhersehbarkeit ist nur oberflächlich. Ich hab den Film mal für eine Examensprüfung analysiert, da steckt viel viel mehr drin. Das Dinge die sich auch nur bei zweiten, dritten Mal erschließen. Im Gegenteil, das worauf du eingehst "aber allzu oft wird man heutzutage mit Filmen konfrontiert, die eine ach so überraschende Wendung habe" ist nämlich durchaus ein Thema des Films.
Scorsese greift das ganz bewusst auf, spielt damit, lockt den Zuschauer in die Falle.
der film wird doch zum ende hin KOMPLETT aufgeklärt ... wenn man das schon vorhergesehen hat (ging mir ja auch so) ... was soll denn da noch mehr drinstecken ? und warum ist das nur oberflächlich ?
 
#8
Also, ich wußte spätestens nach 30 min wohin die Reise geht, dazu habe ich schon viel zu viele Filme konsumiert, als daß man mich mit sowas foppen könnte - auch wenn das jetzt bissl arrogant klingen mag ;)

Zugegeben, zwischendrin habe ich kurz mal gezweifelt, aber nur für ne Sekunde.

Ändert ja aber nix dran, daß der Film echt geil ist.

PS: danke für's Lob :)
 

Wolfen

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#9
der film wird doch zum ende hin KOMPLETT aufgeklärt
Wird er eben nicht.

“Would you rather live as a monster, or die as a good man.” Ein Twist im Twist. Mit dem letzten Satz wird der ganze Film noch ein mal umgekrempelt. Das zu erkennen ist zugegebenermaßen alles andere als einfach, allerdings wird das auch auf Bildebene kommuniziert. Teddy erwähnt mehrfach während des Film, dass ihm das Gefängnis bekannt vorkommt während auf musikalischer Ebene die historischen Erlebnisse seiner Zeit im Weltkrieg mit der "Realitätsebene" verknüpft werden. (Szene im Kaminzimmer beim Gespräch mit dem Psychologen). Pflückt man den ganzen Film auseinander, ist die Frage ob er nun Insasse ist oder nicht, nicht final beantworten. Scorsese lässt das ganz bewusst offen, auch wenn der Film vordergründig "durchschaubar" ist. (Deswegen die Inszenierung mit dem Dampf-Hammer, jeder glaubt bereits zu wissen das Daniels der Insasse ist.) Das passiert auch auf formaler Ebene. Der Film strotzt nur so von Anschlussfehlern, die oberflächliche Kritiker als Fehler Scorseses ausmachen. Sind sie aber nicht.
 
PSN-Name: Drouxor
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#10
Wird er eben nicht.

“Would you rather live as a monster, or die as a good man.” Ein Twist im Twist. Mit dem letzten Satz wird der ganze Film noch ein mal umgekrempelt. Das zu erkennen ist zugegebenermaßen alles andere als einfach, allerdings wird das auch auf Bildebene kommuniziert. Teddy erwähnt mehrfach während des Film, dass ihm das Gefängnis bekannt vorkommt während auf musikalischer Ebene die historischen Erlebnisse seiner Zeit im Weltkrieg mit der "Realitätsebene" verknüpft werden. (Szene im Kaminzimmer beim Gespräch mit dem Psychologen). Pflückt man den ganzen Film auseinander, ist die Frage ob er nun Insasse ist oder nicht, nicht final beantworten. Scorsese lässt das ganz bewusst offen, auch wenn der Film vordergründig "durchschaubar" ist. (Deswegen die Inszenierung mit dem Dampf-Hammer, jeder glaubt bereits zu wissen das Daniels der Insasse ist.) Das passiert auch auf formaler Ebene. Der Film strotzt nur so von Anschlussfehlern, die oberflächliche Kritiker als Fehler Scorseses ausmachen. Sind sie aber nicht.
was ist er dann ? passiert alles nur in seinem kopf ? oder ist teddy gar nicht laedis ?
 

Wolfen

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#11
was ist er dann ? passiert alles nur in seinem kopf ? oder ist teddy gar nicht laedis ?
Das liegt in jedermanns eigener Interpretation. Ich habe den Streifen mittlerweile locker fünfmal am Stück gesehen, einzelne Szenen im Zuge meiner Examensarbeit in x-facher Wiederholung. Man entdeckt jedes Mal neue Details.
Schließlich und endlich lässt sich das nicht klären. Guck den Film mal mit zwei verschiedenen Grundeinstellungen. In der einen bist du von Beginn an überzeugt, dass Daniels nicht der Insasse ist und in der anderen bist du es. Du wirst für beides massig Hinweise finden, die deine Theorie stützen.

Das meinte ich mit oberflächlich. Schaut man den Film zum ersten Mal, muss man zu dem Schluss kommen, dass Leo natürlich und absolut vorhersehrbar der Insasse ist. Aber das ist ja das geniale an Shutter Island. Das ist exakt so gewollt.
 

Wolfen

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#14
Ich hab erst genauso gedacht wie ihr und war verwundert wie vielschichtig der Film ist. Das hat aber auch einfach damit zu tun, dass wir Filme heutzutage immer so konsumieren. Filme werden größtenteils als Massenware konzipiert und so eben auch konsumiert. Auf Details (On-/ Off-Ton, Einstellungen, Kamerafahrten, Montage, Bildkomposition etc.) wird gerade in Hollywood kaum geachtet. Filme wie Shutter Island leiden unter dieser Form der Rezeption. Dabei lohnt sich es sich durchaus, auch bei Hollywood-Produktionen, Filme mal genauer zu betrachten und zu sezieren. Ist sicher während des Guckens nicht immer einfach, aber wenn man erst einmal diese Betrachtungsweise verinnerlicht hat, machen Filme so viel mehr Spaß :)
 
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#15
hab den film gestern das 2. mal gesehen und irgendwie hat er mir viel viel besser gefallen als beim ersten mal!

was ich so genail finde ist dass in diesem film jedes einzelne wort sinn macht. also so erschließe ich den film für mich. was man sieht ist nicht entscheidend, da man es ja irgendwie aus der sicht von dicaprio sihet. aber das was gesagt wird ist teilweise echt genial. z.b. die szene wo di caprio uns sein "assistent" in diese konferenz reinplatzen und max von sydow sagt, also den genauen wortlaut weiß ich nicht mehr, aber sowas wie "was tun sie hier. das ist doch lächerlich". während man halt auf der einen seite denkt es stört ihn dass sie hier schnüffeln, macht es auf der anderen seite halt nur sinn, weil er das experiment von ben kingsley total lächerlich findet, also die konfrontation von dicaprio mit sich selbst und dass er auf der insel alle freiheiten hat um zur erkenntnis zu kommen.

die schlußszene ist für mich auch eindeutig. di caprio spielt nur den verwirrten um sich operieren zu lassen. alles andere macht für mich keinen sinn. Lobotomien in einem Leuchtturm oder eine Frau die in den Klippen wohnt. das macht doch gar keinen sinn.
 
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#16
hab den film gestern das 2. mal gesehen und irgendwie hat er mir viel viel besser gefallen als beim ersten mal!
was ich so genail finde ist dass in diesem film jedes einzelne wort sinn macht. also so erschließe ich den film für mich. was man sieht ist nicht entscheidend, da man es ja irgendwie aus der sicht von dicaprio sihet. aber das was gesagt wird ist teilweise echt genial. z.b. die szene wo di caprio uns sein "assistent" in diese konferenz reinplatzen und max von sydow sagt, also den genauen wortlaut weiß ich nicht mehr, aber sowas wie "was tun sie hier. das ist doch lächerlich". während man halt auf der einen seite denkt es stört ihn dass sie hier schnüffeln, macht es auf der anderen seite halt nur sinn, weil er das experiment von ben kingsley total lächerlich findet, also die konfrontation von dicaprio mit sich selbst und dass er auf der insel alle freiheiten hat um zur erkenntnis zu kommen.

die schlußszene ist für mich auch eindeutig. di caprio spielt nur den verwirrten um sich operieren zu lassen. alles andere macht für mich keinen sinn. Lobotomien in einem Leuchtturm oder eine Frau die in den Klippen wohnt. das macht doch gar keinen sinn.

Ja kann mich da nur anschließen. Habe den Film im Kino gesehn und dann bei Release als BD gekauft und habe ihn dann auch direkt gesehen. Ich kann mich da dann nur anschließen, als ich den Film dann zu hause gesehn habe, da fand ich den noch besser.

Denke dass kommt auch, weil man manche Szenen beim zweiten mal besser versteht, auf Grund dessen, dass man den FIlm schon ein mal gesehn hat.
 
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#17
Wolfen hat es perfekt erläutert.
Es gibt zig Szenen, die zweideutig interpretiert werden können.

Um mal ein Beispiel zu nennen:

Chuck hat Probleme, seine Dienstwaffe vom Hosenbund zu lösen.
Erste mögliche Erklärung: Er ist noch nicht so lange in dem Beruf, wie er ja selbst gesagt hat.
Zweite mögliche Erklärung: Er spielt den Partner, um das Rollenspiel zu komplettieren.

Der durchschnittliche Zuseher kommt nicht damit klar, dass ein Film Fragen offen lässt und versucht daher mögliche Lücken durch wenige Gedankengänge zu schließen.
Dabei kommt dann eben heraus, dass der Film "Fehler" hat und dementsprechend weniger interessant ist, was dann tatsächlich ein "Fehler" ist.
 
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#18
Wird er eben nicht.

“Would you rather live as a monster, or die as a good man.” Ein Twist im Twist. Mit dem letzten Satz wird der ganze Film noch ein mal umgekrempelt. Das zu erkennen ist zugegebenermaßen alles andere als einfach, allerdings wird das auch auf Bildebene kommuniziert. Teddy erwähnt mehrfach während des Film, dass ihm das Gefängnis bekannt vorkommt während auf musikalischer Ebene die historischen Erlebnisse seiner Zeit im Weltkrieg mit der "Realitätsebene" verknüpft werden. (Szene im Kaminzimmer beim Gespräch mit dem Psychologen). Pflückt man den ganzen Film auseinander, ist die Frage ob er nun Insasse ist oder nicht, nicht final beantworten. Scorsese lässt das ganz bewusst offen, auch wenn der Film vordergründig "durchschaubar" ist. (Deswegen die Inszenierung mit dem Dampf-Hammer, jeder glaubt bereits zu wissen das Daniels der Insasse ist.) Das passiert auch auf formaler Ebene. Der Film strotzt nur so von Anschlussfehlern, die oberflächliche Kritiker als Fehler Scorseses ausmachen. Sind sie aber nicht.
Das versteh ich irgendwie nicht. Wenn er nicht Insasse ist aber gleichzeitig auch nicht der Marhsall und sich alles nur vorstellt, wo ist er denn dann? Oder wer ist er? Dann spielt die Geschichte um seine Familie ja gar keine Rolle.
“Would you rather live as a monster, or die as a good man.”
Das war für mich immer Ladis Entscheidung, die Rolle des Kriegshelden Daniels zu akzeptieren und den Mann der seine Familie im Stich gelassen und seine Frag getötet hat, zu leugnen.
In der letzten Szene mit seinem Arzt spielt er die Rolle des Marshalls, um einen Rückfall vorzutäuschen und die Prozedur der Lobotomie somit über sich ergehen zu lassen. Im Film wird diese Prozedur schließlich als Möglichkeit erklärt, dem Menschen seine Ängste und Visionen zu nehmen um ein friedliches, aber stumpfsinniges Leben zu führen.
Er will nicht als das Monster weiterleben, dass Ladis durch die Schuld am Tod seiner Familie geworden ist, sondern entscheidet sich für ein Leben ohne Reue und Schuldgefühle auch wenn das bedeutet, dass der Kriegsheld Daniels mit ihm sterben muss.

So habe ich das Ende vom Anfang an interpretiert und war auch bei jedem weiterem Gucken davon überzeugt. Wenn du mir deine Theorie nochmal erklären könntest, wäre ich dankbar für eine jede neue Perspektive auf diesen genialen Film/Buch.
 

Wolfen

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#20
Das kann ich auch ohne Spoiler schreiben.

Es geht hier weder um richtig noch falsch, es gibt nicht die richtige Theorie und die falsche. Das was ich oben im Spoiler geschrieben habe, ist lediglich meine Wahrnehmung der Szene. Es geht lediglich darum, dem Zuschauer die Ambivalenz vor Augen zu führen. Der Film spielt mit der Wahrnehmung des Hauptcharakters, aber ebenso auch mit der Wahrnehmung der Zuschauer. Was von dem was er sieht/was wir sehen ist nun Realität?

Nur ein Beispiel anhand einer Szene: schaut euch mal die Szene an in der Daniels und sein Kollege in der Küche die Insassen befragen. Achtet mal auf die Frau, die plötzlich nervös wird und etwas auf einen Block kritzelt. Schaut genau hin. Und wer es noch genauer wissen will:

Achtet auf die Szene mit dem Wasserglas.

Wenn man dann noch bedenkt, dass Scorsese diese Frage in das Zentrum eines Filmes rückt, der sich mit historischen Darstellungen beschäftigt, kann man das ganze noch weiterdenken. (Filmische Darstellung historischer Ereignisse sind immer rezeptionsabhängig usw.)
 
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