Ziemlich beste Freunde (Film-Review)

#1


Stellt Euch folgende Situation vor: Ihr seid reich. Extrem reich. Vielleicht sogar unanständig reich. Ihr könnt Euch alles nur erdenklich im Leben leisten, Euch jeden Traum erfüllen, es sind Euch eigentlich keine Grenzen gesetzt... bis auf die Tatsache, daß Ihr an den Rollstuhl gekettet und vom Hald abwärts gelähmt seid.

Aufgrund Eurer Lage, seid Ihr auf Hilfe angewiesen. Ihr sucht daher über einschlägige Institutionen nach einem Pfleger, der Euch quasi im Alltag Arme und Beine zur Verfügung stellt. Bei den sehr mühsamen Vorstellungsgesprächen erkennt Ihr, daß es austauschbare Leute gibt, die zwar einen Beruf erlernt haben, darin aber keine Berufung sehen.
Und dann kommt da einer, der eigentlich nur Euren Namen auf einem Blatt Papier benötigt, eine Unterschrift, eine Bestätigung der Anwesenheit, eines nicht vorhandenen Versuches, sich Arbeit zu verschaffen, um den Anspruch auf Arbeitslosenhilfe nicht zu verwirken. Der Kerl ist roh, unbeholfen, unfreundlich, direkt, verstellt sich nicht und kommt geradeheraus direkt auf den Punkt. Er hat keinerlei Interesse an der Stelle.

Ganz ehrlich: würdet Ihr ihn einstellen?

[ame]http://www.youtube.com/watch?v=Bhdd2yy5JZM[/ame]

Genau das tut der Protagonist und rettet sich damit nicht nur selbst. Eines der unterschiedlichsten Paare der Filmgeschichte wird geboren, nähert sich einander an und schenkt sich gegenseitig wieder einen Lebenszweck, Frohsinn und Daseinsqualität.

"Ziemlich beste Freunde" war für mich einer der bewegendsten Filme der letzten Jahre. Titel und Cover haben mich zunächst abgeschreckt (obwohl ich es besser wissen sollte)... und dann war der Film auch noch aus Frankreich. Sicher, die Franzosen können Filme drehen, das haben mehr als einmal bewiesen; aber die Thematik (ich habe es nur durch einen Freund erzählt bekommen) hat mich irgendwie abgeschreckt. Die Inhaltsangabe, dies weiß ich heute, war einfach nur schlecht wiedergegeben. Aber eines hat mich dann doch dazu ermutigt, den Film zu kaufen. Er sagt: dies sei einer der Filme, die er sich ins Regal stellen würde. Da stehen erst zwei oder drei, denn er ist nicht unbedingt das, was man einen Cineasten nennen würde.
Also griff ich zu und wurde an diesem Abend auf ganz sinnliche Weise unterhalten.
Da ist kein Kitsch, kein Klischee und keine übertriebene Rührseligkeit. Da sind einfach die beiden Hauptpersonen und Ihre Probleme mit sich und der Welt.

Das Drama beruht übrigens auf einer wahren Begebenheit, was es für mich persönlich beinahe noch entzückender macht. Die reale Vorlage bildet der ehemalige Geschäftsführer des Champagner-Konzern Pommery, der sich bei einem Paraglide-Flug die Wirbelsäule gebrochen hat und dann ebendiesen wildfremden, kuriosen Menschen als Pfleger einstellte. Die beiden sind noch heute ziemlich beste Freunde.

Am ehesten läßt sich dieser Film vielleicht vergleichen mit dem Streifen "Das beste kommt zum Schluß", der sich einer ähnlichen Thematik annimmt und sich irgendwie auch ähnlich an diese annähert. Ich kann jeden Freund des unkompliziertes Dramas wirklich nur raten, sich diesen Film anzuschauen, weil er ganz ohne Pathos, ohne Gefühlsduselei, ohne übertriebene Zurschaustellung eines Schicksals oder dergleichen auskommt. Der Film erzählt eine Geschichte. Und dies tut er perfekt.


 
Top